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WAZ
(Aus dem Kreis) 2. Juni 1984

Bahn rollt durch Lille

Einst ratterten sie kreuz und quer durch das Vest Recklinghausen, dann entsprachen sie nicht mehr den bundesdeutschen Bedürfnissen. In Frankreich allerdings hält man sie in Ehren. Mehr noch: die ausgedienten Straßenbahnen der Vestischen erfüllen in der Industriestadt Lille noch immer ihren Zweck. Nicht immer ganz störungsfrei, wie sich bei einem Besuch von waz-Mitarbeiter Michael Leimann herausstellte, aber doch überwiegend zur Zufriedenheit der Passagiere.

Außerdem haben die Franzosen ja bekanntlich etwas übrig für die „liebenswerten Unzulänglichkeiten" ihrer Verkehrsmittel. - Ein Blick auf und in manches Auto, das in unserem westlichen Nachbarland rollt und deutsche Haare sträuben könnte, wird dies eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Nur Typenschilder erinnern an alte Heimat

Seit 1897 gehörte die Straßenbahn zu den Personenbeförderungsmitteln im Kreis Recklinghausen. Am 4. Oktober 1982 wurde dann aber die letzte Tram-Strecke der Vestischen stillgelegt und durch eine Buslinie ersetzt. Noch heute denken viele wehmütig an die Zeit zurück, in der das “Bing- bing" zum alltäglichen Verkehrsgeräusch gehörte. Der große Abschied, der den Bahnen bereitet wurde, ist wohl auch kaum in Vergessenheit geraten. Mit Schwertransportern wurden sie damals im Huckepack-Verfahren zum neuen Bestimmungsort gebracht. Heute gehören die Wagen schon fest zum Bild der Stadt Lille. Die „Mongy". wie unsere Bahn inzwischen heißt, übernimmt dort alle sechs oder zwölf Minuten die Verbindung zwischen den Städten Lille, Roubaix und Tourcoing.

Gegenwart und Vergangenheit
GEGENWART UND VERGANGENHEIT der Französischen Straßenbahngeschichte im Bild vereint: Neben der neuen Mongy steht das Prunkstück der tcc, ein Überbleibsel aus längst vergangener Zeit. 1910 beförderte er die Fahrgäste durch Lille.
waz-Bild: Leimann





















Nur noch die deutschen Typenschilder erinnern dabei an die Abstammung der Mongy. Nach der Ankunft in Frankreich bekamen die Wagen nämlich erst einmal ein neues - sehr kleidsames - Make-up. Techniker benötigten fast zwei Jahre, um den Großteil der aus sechs Vierachsern und 24 Sechsachsern bestehenden “Flotte" umzurüsten. Noch heute stehen vier Waggons im “Trockendock" des Betriebsbahnhofes. Für sie fehlen noch die französischen Kupplungen.

Doch ist die Welt nicht so in Ordnung, wie es den Anschein erweckt. Ingenieur Pascal Lefebvre - der Vermittler des Geschäfts - berichtet im waz-Gespräch von den Schwierigkeiten, die noch zu meistern sind. So sind nach seinen Angaben die Bremsen der Sechsachser nicht mehr die besten. Es sei schon einmal vorgekommen, daß Wagen aufeinanderutschten.

Ferner hätte man ein „kleines Problem" mit den Türen, die sich nicht immer auf Kommando öffneten. Dies bestätigt auch Ada Mollenhauer vom deutschen Generalkonsulat in Lille. Auch sie weiß ein Lied von den Türproblemen zu singen. Am Vorabend unseres Besuchs in Lille war sie auf dem Heimweg noch für eine Stunde in der Straßenbahn gefangen.

“Die Bahnen sind nun einmal alt", erklärte Monsieur Lefebvre diese Vorkommnisse. “Bei 10 000 Kilometern Fahrleistung kommen wir laut Statistik auf 10,7 Pannen." - Bei der Vestischen in Herten schlug man angesichts dieser Quote fast die Hände über dem Kopf zusammen. In der alten Heimat gab es alle 7000 bis 8000 km mal einen Ausfall.


Mit freundlicher Genehmigung der WAZ im Vest Recklinghausen


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