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WAZ
(Lokalteil Recklinghausen), 5. Oktober 1982

Am Montag um ein Uhr fuhr der letzte Wagen auf Recklinghausens Schienen
Abschied von der Straßenbahn löste Tränen aus
“Feier" im Depot mit Personal und Politikern - Vestische verkaufte Züge nach Lille

(hds/pio) „Macht doch nicht traurige Mienen, man könnte ja meinen, wir sind hier auf einer Beerdigung." Oberbürgermeister Wolfram versuchte die Straßenbahner, die ein letztes Mal im Betriebshof an der Castroper Straße zusammengekommen waren, etwas aufzuheitern. Doch auch ihm war nach Späßen nicht zumute. Am liebsten wäre er noch einmal um die Wälle gefahren, bekannte Erich Wolfram.

Auch Landrat Helmut Marmulla war nicht zum Lachen, schließlich wurde die Einstellung der letzten Straßenbahnlinie „gefeiert". Man zog noch einmal eine Bahn aus der Halle heraus und postierte sich - allerdings lachend - zum Erinnerungsfoto. Schaffner, Zugführer, Monteure des Instandsetzungsdienstes, Fahrmeister - längst im Ruhestand oder schon auf Busse umgeschult -konnten ihre Tränen teilweise nicht verbergen.

Landrat Marmulla, OB Wolfram, OB-Vetreter Uchtenfeld, Betriebsratsvorsitzender der Vestischen Herbert Behrendt
VON WEHMUT ist allerdings wenig zu entdecken. Besonders die Politiker wie Landrat Marmulla (links), OB Wolfram und sein Vertreter Uchtenfeld (rechts) sind offensichtlich in Feierstimmung. Betriebsratsvorsitzender Herbert Behrendt von der Vestischen (vorn) strahlt nicht so sehr.
waz-Bild: Schäfer










Man machte Witze, erinnerte sich noch einmal an Zeiten, als die Straßenbahnen mit bunten Wimpeln durch die die Straßen fuhren. Doch was half es. Die meisten dachten an den Wagen Nr. 389, den 14. Zug, der gegen 1.00 Uhr im Betriebshof eintreffen und nie wieder auf Recklinghausens Schienen fahren würde.

Vier Wagen waren am Sonntagabend noch unterwegs. Der erste rollte um 21.12 Uhr ins Depot und verschwand in den Hallen. Um 23.42 und um 0.22 Uhr war das „Schicksal" der beiden nächsten Trams besiegelt.

Um 0.10 Uhr startete der letzte Wagen mit der Nr. 389 ab Recklinghausen, um dann um 0.42 Uhr in Herne seine allerletzte Fahrt zum Depot zu machen. Begleitet von Autos, die neben der Bahn herfuhren, mit zahlreichen Fahrgästen und vielen Hobbyfotografen, die die letzte Fahrt im Bild festhalten wollten.

Einigen Straßenbahnfreunden standen auf der letzten Fahrt die Tränen in den Augen. Leider waren auch einige stark alkoholisierte „Fans" zugestiegen, die das Ereignis auf ihre Art mit Radau begleiteten. An den Schienen standen unterwegs Anwohner, die das typische Straßenbahnsurren teilweise ihr Leben lang gehört haben. Jeder konnte noch einmal die durchdringende Warnglocke vernehmen.

Um ihrem Wehmut Ausdruck zu verleiten, trug der Wagen schwarze Schals als Trauerflore. Zwei Trambahn-Fans waren eigens aus Belgien angereist, um diese Fahrt anzutreten. Gesteuert wurde die “Elektrische““ von Paul Bachmann, der schon seit über 30 Jahren Straßenbahnen fährt. Um 1.00 Uhr wurde die Endstation Recklinghausen-Hauptbahnhof erreicht. Zehn Minuten später schlossen sich am Depot an der Dortmunder Straße für immer die Tore hinter dem gelben Zug, der Jahrzehnte das Recklinghäuser Stadtbild beherrschte.

Trauerflore Schilder an der Strecke wurden noch in der Nacht ausgewechselt
TRAUERFLORE in Form von schwarzen Schals wurden an der letzten Bahn befestigt. Der Wagen Nr. 389 rollte am Montagmorgen um ein Uhr am Hauptbahnhof in Recklinghausen vor und bedeutete das Ende des Straßenbahnzeitalters für die Vestmetropole. Die Schilder an der Strecke wurden noch in der Nacht ausgewechselt.
waz-Bilder: Piotrowski










Sofort nach der Fahrt wurden die Haltestellenschilder der 305 von Arbeitern der “Vestischen" gegen die der neuen Buslinie ausgetauscht. Die nicht mehr benötigten Schilder wurden an die Straßenbahnfreunde verschenkt.

Seit gestern morgen knurren die leisen Dieselmotoren der neuen Gelenkbusse mit der Liniennummer 205 neben den Straßenbahnschienen von Recklinghausen nach Herne und zurück. Wer übrigens noch mit seiner heißgeliebten Straßenbahn der Linie 305 fahren möchte, kann das immer noch zwischen Herne und Bochum tun. Für Recklinghausen endete das Straßenbahnzeitalter für immer.

Die Vestische Straßenbahnen GmbH verkaufte bekanntlich die nicht mehr benutzten Züge an die nordfranzösische Stadt Lille, wo sie umgerüstet werden und noch viele tausend Kilometer mit Millionen von Fahrgästen unterwegs sein werden.


Mit freundlicher Genehmigung der WAZ im Vest Recklinghausen


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