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RZ
(Stadtnachrichten) 5. Oktober 1982

Auf zur letzten Fahrt

Auf zur letzten Fahrt! Zahlreiche Freunde der Linie "305" hatten sich eingefunden, um Abschied zu feiern. Pünktlich um 0.14 Uhr setzte sich der Zug 14 mit der Nummer 389 in Richtung Herner Bahnhof in Bewegung. Paul Ollmann drückte bei der Abschiedsrunde in Richtung Kunibertitor noch einmal kräftig auf die Bimmel. Die Schilder der Bahn fanden schnell Freunde, und nach dem letzten Weichenwechsel an der Herner Endstelle hängten Bahnfans einen Riesentrauerflor an die letzte Straßenbahn des nördlichen Reviers.                                                                                                                                     Foto: Pieper

Gastwirt stoppt letzte Bahn

Eine Palette Altbier am Kaiserwall / Mit vielen Freunden des Schienenverkehrs / Handsignierte Fahrscheine

RECKLINGHAUSEN.    Nach über achtzig Jahrenendete in der Nacht zum Montag ein Kapitel Recklinghäuser Stadtgeschichte: fast pünktlich auf die Minute fuhr weit nach Mitternacht die letzte Straßenbahn ins Depot ein. Seit Montag morgen verkehren nur noch Omnibusse in der Stadt.

Der Samstag wurde noch einmal zu einem Fest für die Tram. Mit Trauerflor geschmückt fuhren die vier Wagen der Vestischen durch die Straßen. Schon morgens waren sie voller als gewöhnlich: viele wollten wohl trotz des Wetters noch einmal die Gunst der Stunde nutzen und mit der "Elektrischen" zur Stadt fahren. An den Straßenrändern zahlreiche Straßenbahnfreunde, die aus dem ganzen Revier, ja sogar aus Belgien angereist waren und die Filme gleich meterweise belichteten.

Doch nicht nur die obligaten Fans, die die letzte Linie der Vestischen ohnehon schon seit Wochen belagerten, waren da mit ihren Kameras: auch zahlreiche Bürger vor allem aus Süd, ließen es sich nicht nehmen, noch ein paar Fotos zu schießen. "Schließlich wollen wir unseren Enkeln doch mal zeigen, wie es hier mit der Straßenbahn aussah", meinte eine ältere Dame.

Am Abend  dann die letzte Fahrt. Einige hatten die Bahn schon früher geentert und die besten Plätze besetzt, insgesamt fanden  sich mit den Fahrgästen vom Hauptbahnhof wohl an die 50 Menschen ein.

Fahrer Paul Ollmann ließ sich angesichts des bedeutsamen Augenblicks nicht aus der Ruhe bringen und verkaufte handsignierte Fahrscheine. Hinter seinem "Cockpit" hatte sich die Familie aufgestellt, weiter im Wagen traten sich Straßenbahnfans und eher feuchtfröhliche Fahrgäste, die alles nicht so bierernst nahmen, auf die Füße.

AbschiedsfeierAbschiedsfeier am Depot Castroper Straße. Vorstandsmitglieder der Vestischen Straßenbahnen GmbH, Oberbürgermeister Erich Wolfram und Landrat Helmut Marmulla kamen zum Abschiedsbild und anschließendem Umtrunk.

Foto: Pieper







Paul Ollmann, bei den Arbeitskollegen bekannt für einen flotten Fahrstil, mußte freilich einmal notbremsen: als der Wirt des "Kaiserwalls" mit einer Palette Altbier den Zug stoppte. Mit Geklingel und einem gehörigen Tempo ging es dann durch Süd.

Und ein Fahrgast, der nun unbedingt dabeisein wollte, den Wagen aber am Kunibertitor verpaßt hatte, raste mit dem Taxi hinterher: stolz konnte er die eingeholte Bahn an der König-Ludwig-Straße entern. Aufmerksamkeit erregte dann auch noch ein Kameramann vom WDR, der alles festhielt. Die Sendung soll übrigens heute abend laufen.

Kurz und bündig, fast ohne Zwischenhalte, ging auch die Rückfahrt von Herne über die Bühne. Gleich nach der Ankunft in Recklinghausen begann ein Werkstatt-Trupp mit dem Abmontieren der Haltestellen - nicht mehr viel wird schon in wenigen Wochen an die Zeiten der "Elektrischen" erinnern.

Mein Dank gilt der Recklinghäuser Zeitung, aus deren Archiv dieser Beitrag stammt.


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